Block G8

bewegen.blockieren.bleiben

Massenblockaden des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007

"Chef, es sind zu viele"

Die Block G8 Broschüre. 84 Seiten A4, durchgehend farbig.

In der Broschüre findet Ihr: die Abschlusserklärung von Block G8, eine ausführliche Chronologie der Aktionen, zahlreiche Erlebnisberichte, Hintergrundartikel zur Kritik an den G8, Beiträge zur politische Auswertung, methodische Auswertung (u.a. Logistik, Presse, Aktionstrainings, Strukturen), Dokumente aus der Kampagne und natürlich viele, viele Fotos ...

Einzelpreis EUR 3,- // für WiederverkäuferInnen (ab 5 Ex.) EUR 2,- // jeweils zzgl. Versand

Bestellungen können an eine dieser drei Adressen gerichtet werden:

Die gemeinsame Abschlusserklärung der Kampagne Block G8

Fünf Finger sind stärker als 17.000 Cops

Die Kampagne Block G8 verabschiedet sich

Die massenhaften Blockaden des G8-Gipfels 2007 haben das unmöglich Scheinende erreicht: Heiligendamm war zeitweise landseitig komplett eingeschlossen, der Transport von Delegierten und JournalistInnen nach Heiligendamm musste in dieser Zeit per Hubschrauber oder auf schwankenden Booten durchgeführt werden. Tausende von Menschen strebten durch Wälder, über Wiesen und Felder unaufhaltsam den Blockadepunkten entgegen. Sie ließen sich dabei von den völlig desorganisierten Polizeitruppen weder provozieren noch aufhalten. Mit diesen eindrücklichen Bildern ist das Konzept von der Delegitimierung der G8 in der Aktion Wirklichkeit geworden, auch wenn die G8 dennoch tagen und ihre propagandistische Selbstdarstellung in Teilen der bürgerlichen Medien platzieren konnten.

An Vorbereitung und Durchführung dieser Blockaden hatte die Kampagne Block G8 entscheidenden Anteil. Wenn wir jetzt Bilanz ziehen und auf die Aktionen sowie eineinhalb Jahre anstrengender Vorbereitung zurückblicken, so sind wir glücklich und stolz über das Erreichte. Natürlich haben wir trotz aller Planung und Organisation auch einfach viel Glück gehabt, dass alles so gut geklappt hat. Ebenso wenig verkennen wir, dass wir den Erfolg nicht allein errungen haben: Der Triumph der Bewegung gelang nur durch das Zusammenwirken aller unterschiedlichen Blockadekonzepte.

Schon während der Aktionen hat die Selbstorganisation der BlockiererInnen immer mehr Gewicht gegenüber der – mit zunehmender Dauer auch überforderten – Block-G8-Struktur gewonnen. Dieser Prozess der Aneignung der Aktionen und des Sieges durch die Bewegung soll jetzt vollendet werden. Mit dieser Broschüre verabschiedet sich die Kampagne Block G8 als politische Struktur – und versucht, den Erfolg und die Erfahrungen schriftlich zu dokumentieren und damit für die Bewegung festzuhalten und diskutierbar zu machen.

Der Anfang

Am Anfang von Block G8 stand die Suche nach einer konkreten, mobilisierenden Aktionsperspektive für die Aktionen gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm. Diese Suche begann in mehreren Zusammenhängen und Spektren gleichzeitig. Unter dem zunächst noch sehr schwammigen Begriff der „Massenblockaden“ ging es um Aktionen, in denen ein symbolischer und praktischer Bruch mit dem globalen Kapitalismus vollzogen wird und in denen gleichzeitig viele Menschen positive Aktionserfahrungen machen, Ohnmacht überwinden und erkennen, dass kollektiver Widerstand möglich ist. Neben den eigenen Blockadeerfahrungen – sei es von den Anti-Castor-Aktionen aus dem Wendland oder von antifaschistischen Blockaden gegen Naziaufmärsche – waren für Teile von Block G8 auch internationale Erfahrungen, wie die der italienischen „Tuti Bianche“ (später Disobienti) ein wichtiger Bezugspunkt.

Die aktive Beteiligung von „Massen“ – also von tausenden Menschen, die nicht nur aus einer engeren politischen Szene stammen – schien uns der Schlüssel zu sein, mit dem erfolgreiche Aktionen trotz des absehbaren Polizeistaatsmanövers in Heiligendamm möglich würden. Kein „Sturm auf die Rote Zone“, kein Einsteigen auf eine quasi-militärischen Eskalationslogik – aber auch keine erneute Legitimationsshow für die G8 wie in Gleneagles 2005.

Notwendig hierfür war eine echte, spektrenübergreifende Zusammenarbeit, in die Aktionserfahrungen und –konzepte sowohl aus der autonomen wie aus der gewaltfreien Bewegung einflossen. Schon der erste öffentliche Aufruf vom Sommer 2006 hatte Signalwirkung. In einem gemeinsamen Papier von ALB, Avanti, X-tausendmal quer, der Grünen Jugend plus Einzelpersonen aus attac und solid wurden die grundlegenden Prinzipien von Block G8 formuliert: Die klare Delegitimierung der G8 in der Aktion, die Orientierung auf eine Massenmobilisierung, die auch Aktionsunerfahrenen ein Mitmachen ermöglicht, eine Transparenz und Verantwortlichkeit in der Vorbereitung, die den Aktionsrahmen für die Beteiligten einschätzbar macht, keine Ideologisierung von Aktionsformen, sondern konkrete Absprachen. Dem Projekt schlug damals viel Kritik und Skepsis von allen Seiten entgegen: Würde es tatsächlich gelingen, trotz der Unterschiede eine echte Gemeinsamkeit herzustellen?

Das Gemeinsame

Zu Gute gekommen ist Block G8, dass die gesamte Anti-G8-Mobilisierung von der Suche nach und dem Bemühen um das Gemeinsame gekennzeichnet war. Genau das war die Erfolgsgeschichte dieser Mobilisierung, die Basis für Handlungsfähigkeit und öffentliche Wahrnehmung. Diese Erfahrung des Gemeinsamen und der Solidarität, die letztlich alle Schwierigkeiten und Spaltungsgefahren überdauert hat, sollte bei allen Nachbetrachtungen, die natürlich die Konflikte in den Blick nehmen müssen, nicht vergessen werden. Orte des Gemeinsamen waren z.B. die drei Rostocker Aktionskonferenzen (März 2006, November 2006 und April 2007) und die Hannover-Koordination, in der alle Spektren der Gipfelmobilisierung zusammen kamen. Ausdruck des Gemeinsamen war z.B. die „Choreografie des Widerstandes“, der gemeinsame Aktionsfahrplan, in der neben Großdemonstration, Gegengipfel, den thematischen Aktionstagen und Gottesdiensten auch Block G8 und das Konzept Massenblockaden fest eingeplant waren.

Die Kampagne Block G8 wurde schließlich zu einem echten Laboratorium dieser neuen Gemeinsamkeit, denn bei Block G8 ging es nicht nur um Koordination und gegenseitigen Respekt, sondern um tatsächliches gemeinsames Handeln mit verbindlichen, belastbaren Absprachen.

Mindestens ebenso wichtig als Orte der Gemeinsamkeit waren die spektrenübergreifend getragenen Camps. Diese stellten nicht nur in einer herausragenden Organisationsleistung die Infrastruktur für die gesamte Protestwoche, ohne die auch Block G8 nicht möglich gewesen wäre, sondern sie waren darüber hinaus auch der Ort, wo die AktivistInnen zusammen kamen und die Solidarität und das Selbstvertrauen für die Blockaden wachsen konnten.

Aktionsvereinbarung

Das Kernstück von Block G8 war die Aktionsvereinbarung, oft auch Aktionskonsens genannt. Um dieses Dokument haben wir in zähen, monatelangen Diskussionen gerungen und in ihr ist das erreichte gemeinsame Verständnis kristallisiert. Die Diskussion verliefen nicht widerspruchsfrei, sie enthielten Zumutungen für alle Seiten, aber die Aktionsvereinbarung wurde eine weitgehende Festlegung, die dann auch gehalten hat: Die Absage an reine Symbolik, sondern das Bekenntnis zu effektiven Blockaden. Die Vermeidung von offensiven Bekenntnissen in der „Gewaltfrage“, aber ein klares nicht-eskalatives Aktionskonzept. Die Voraussetzung für diese Vereinbarung und ihre Gültigkeit war dabei stets, dass Block G8 keinen Alleinvertretungsanspruch erhoben hat und die Legitimität anderer Aktionsformen nicht bezweifelt hat.

Öffentlichkeitsarbeit

Zu den wahrnehmbarsten Bestandteilen von Block G8 gehörte eine sehr aktive und offensive Öffentlichkeits- und Pressearbeit. Sie war ein wichtiges Mittel, um den realistischen Befürchtungen eines auf Eskalation und Gewalt angelegten Polizeiverhaltens zu begegnen. Uns waren die Grenzen der Eindämmung der Polizeigewalt durch eigenes Verhalten in der Aktion stets bewusst – schließlich konnten wir auf das Aktionsziel, die effektiven und lang andauernden Blockaden, nicht verzichten. Deswegen musste der Spielraum der Staatsgewalt durch die Öffentlichkeitsarbeit möglichst schon im Vorfeld eingeschränkt werden. Unsere Öffentlichkeitsarbeit diente aber immer auch der Mobilisierung und der Vermittlung des Aktionskonzeptes – und damit eben auch der Herstellung von Gemeinsamkeiten zwischen den Spektren und den AktivistInnen. Die damit verbundenen Probleme der Dominanz, der Repräsentation und der Personenfixierung haben wir versucht, durch einen möglichst kollektiven Prozess abzufangen.

Aktionstrainings

Die Aktionstrainings waren ein wichtiger Beitrag zu Block G8, der aus der gewaltfreien Aktionstradition kommt. Die Trainings wurden von den eher autonomen Teilen in unserer Kampagne zunächst belächelt, entwickelten sich dann aber zu einem zentralen Instrument zur Schaffung von Vertrauen in die Aktionsfähigkeit bei tausenden von AktivistInnen: „Ja, Polizeiketten sind nicht unüberwindlich!“. Die Trainings waren ebenso wichtig für die praktische Vermittlung des Aktionskonzeptes und Aktionsrahmens und ein zentraler Faktor in der Öffentlichkeitsarbeit.

Die Tage vor den Aktionen

In den Tagen vor der Aktion entstand eine angespannte Situation, wozu die Auseinandersetzungen bei der Samstagdemo und die allgegenwärtige Polizeirepression viel beigetragen haben. Bei aller Unterschiedlichkeit in der Bewertung und Rekonstruktion der Abläufe bei der Demonstration am 2.6.2007 haben die Auseinandersetzungen vor allem eines deutlich gemacht: Die Grenzen des Gemeinsamen waren erreicht, die Vereinbarungen für die Aktionen am Mittwoch und Donnerstag mussten noch einmal neu bekräftigt werden.

Diese Verunsicherung zeigte sich am deutlichsten in der zwei Tage vor den Aktionen erhobenen Forderung der Attac-Spitze (wozu auch Leute gehörten, die aktiv an der Vorbereitung von Block G8 beteiligt waren), die Blockaden auf rein symbolische Aktionen zurückzufahren. Dabei ist die Diskussion über neue Einschätzungen und Konzepte aufgrund einer veränderten Situation innerhalb eines Bündnisses natürlich völlig legitim. Bleibenden Unmut rief bei vielen jedoch der Druck und die teilweise unlauteren Methoden hervor, mit denen dieser Kurswechsel durchgesetzt werden sollte. Insbesondere, dass einzelne Attac-Funktionäre vorher kein gutes Haar an Block G8 gelassen haben, sich hinterher aber mit dem Erfolg der Aktionen brüsteten, haben wir dem Attac-Ko-Kreis gegenüber scharf kritisiert.

Bei den AktivistInnen in den Camps war die Verunsicherung nach dem 2.6. jedenfalls viel schneller beendet und es gab es einen Umschwung von Irritation und Einschüchterung in Entschlossenheit und Wut. So wurden die verlangte Änderung des Aktionskonzeptes am Montag sowohl von den Block G8 Strukturen wie von den in den Camps anwesenden AktivistInnen der Attac-Basis klar zurückgewiesen.

Block G8 reagierte mit einer noch mal deutlicheren Vermittlung des Aktionskonzeptes bei Infoveranstaltungen und bei den zahlreichen Aktionstrainings auf den Camps. Dies wurde insgesamt sehr gut auf- und angenommen.

Die Aktion

Am Mittwoch waren wir dann überwältigt von der massenhaften Beteiligung an den Blockaden. Mehr als 10.000 Menschen machten sich von den Camps in Reddelich und Rostock auf den Weg, die Stimmung war von einer freudigen Entschlossenheit gekennzeichnet. Die Fünf-Finger-Taktik wurde – wo es die desorganisierte Polizei notwendig machte – wie geübt durchgeführt und am Nachmittag war klar: Block G8 hatte seine zwei anvisierten Blockadepunkte erreicht und mit jeweils tausenden von Menschen besetzt.

Uns war immer klar, dass wir eine komplette Blockade des Gipfels nicht allein erreichen können. Unsere Aktionsvorbereitung war mit der Planung und Durchführung von zwei parallelen Großblockaden schon an der Grenze der Überforderung. Es brauchte deswegen die unabhängigen und selbst organisierten Blockaden an der Bahnstrecke der „Molly“ und es brauchte die AktivistInnen, die sich Aktionskonzept und –vereinbarung von Block G8 aneigneten und am Westtor selbstständig umsetzten, um den Erfolg komplett zu machen: Heiligendamm war über Stunden landseitig eingeschlossen.

Die erfolgreichen Blockaden führten damit auch das Versammlungsverbot, das die Polizei für ein etwa 40 Quadratkilometer großes Gebiet rund um den Sperrzaun erlassen hatte, ad absurdum. Noch während die Entscheidung für das Demoverbot durch das Bundesverfassungsgericht am Mittwochmorgen bestätigt wurde, war es rund um den Zaun von Heiligendamm schon Makulatur geworden.

Je länger die Blockaden andauerten, desto mehr zeigte sich die Überforderung unserer Strukturen und die ungenügende Vorbereitung auf den Erfolgsfall. Wir haben mehrmals den Durchhaltewillen und die Fähigkeit zur Selbstorganisation der BlockiererInnen unterschätzt. Die in diesem Zusammenhang an uns geäußerte Kritik nehmen wir an – sie wird bei den Beteiligten mit Sicherheit in zukünftige Aktionsplanungen einfließen. Und so begann der Prozess der Rückgabe von Block G8 und des Erfolges der Blockaden von einem relativ kleinen Vorbereitungskreis an die Bewegung insgesamt schon während der Blockaden selbst – und soll jetzt mit dieser Broschüre abgeschlossen werden.

Was bleibt?

Die Auswertung und Weiterentwicklung der Erfahrungen von Block G8 ist nicht mehr die Sache der Kampagnenstruktur, sondern der Bewegung insgesamt. In der Bewegung und in den Gruppen und Organisationen, die Block G8 getragen haben, leben diese Erfahrungen fort, werden aufbewahrt und weiter entwickelt. Die Blockaden haben ein Stück Widerstandsgeschichte geschrieben, das in Erinnerung bleiben wird. Ihre letztendliche Bedeutung werden sie aber dadurch erhalten, was wir und Ihr aus diesen Erfahrungen macht, wie Block G8 zum Referenzpunkt oder zum Steinbruch für kommende Aktionen wird.

 

Kampagne Block G8, Mai 2008

Kontaktadressen

Da es Block G8 als gemeinsame Struktur nicht mehr gibt, hier als Kontakt die Adressen von tragenden Gruppen und Organisationen:

gruene jugend:

Grüne Jugend Bundesgeschäftsstelle
Hessische Straße 10
10115 Berlin
Tel: 030 275 940 95
Fax: 030 275 940 96
www.gruene-jugend.de

itpol:

Institut für Theologie und Politik
Friedrich-Ebert-Str. 7
48153 Münster
fon 0049 (0) 251 524738
fax: 0049 (0) 251 524788
www.itpol.de

itpol@muenster.de

wfga:

Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden
Büro Freiburg

Vauban-Allee 20, 79100 Freiburg
Tel: 0761 43284
Fax: 0761 4004226
buero.freiburg@wfga.de

alb:

Antifaschistische Linke Berlin
c/o b_books
Lübbener Str. 14
10997 Berlin
www.antifa.de

mail@antifa.de

avanti:

c/o alternative
Willy-Brandt-Allee 9
23554 Lübeck
www.avanti-projekt.de

info@avanti-projekt.de

solid.org:

www.solidpunkt.org

kontakt@solidpunkt.org

fels:

FelS
c/o Schwarze Risse
Gneisenaustrasse 2a
10961 Berlin
www.nadir.org/nadir/initiativ/fels/

fels@nadir.org

antifa kok:

Antifa-KOK
c/o AStA der FH
Georg-Glock-Str. 15
40474 Düsseldorf
www.antifa-kok.de

info@antifa-kok.de

rl:

Radikale Linke (RL)
c/o Libresso
Bauerngasse 14
90443 Nürnberg
Fax: 0911/2726027
www.rl-nuernberg.de

rl-nuernberg@web.de

linksjugend-solid:

www.linksjugend-solid.de

info@linksjugend-solid.de

x-tausend:

X-tausendmal quer
Sternschanze 1
20357 Hamburg
Tel: 040/40186848
Fax: 040/40186847
www.x-tausendmalquer.de

info@X1000malquer.de